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Kirche St. Martin

Im Wandel der Zeit

Standort der Geschichte:
48.016608, 12.794660​​​​​​​

Die steile Terrassenkante des weiten Salzachbeckens auf der die Filialkirche St. Martin steht, war vermutlich schon der Platz einer kleinen heidnischen Opferstätte oder eines römischen Kastells. Leider kann man mangels genauerer Untersuchungen jedoch weder eine exakte zeitliche Bestimmung über die Vorgeschichte des Platzes, noch über den genauen Ursprung der Kirche geben. Sicher ist jedoch, dass die Kirche St. Martin bereits seit dem Mittelalter besteht, denn sie wird erstmals in einem Ablassbrief von Chiemseebischof Engelmar Chrel 1422 genannt, den er für die Pfarrkirche Fridolfing mit ihren Filialkirchen „St. Johannis in monte et S. Martini in Pietling“ ausstellte.

Anhand der Architektur lassen sich verschiedene Zeiten und Stile erkennen. So fügt sich dem nach außen hin unverputzten Tuffquaderbau im Westen der quadratische Turm an, dessen vorletztes Geschoss unten durch ein Kaffgesims begrenzt wird. Kaffgesimse wurden in der Gothik verbaut, um das Wasser von der Wand abzuleiten. Darüber befindet sich ein spätgotisches Maßwerkfries – so bezeichnet man die kunstvoll in Stein gehauenen Fenster – hinter denen ursprünglich der Glockenstuhl war. 1738 errichtete man ein weiteres Geschoss, wobei mehrere der ursprünglichen Fensteröffnungen vermauert wurden. Auch ist der Turm seit jener Neugestaltung von der barocken Form der dreifachen Zwiebelhaube mit Holzschindeldeckung gekrönt. Im Inneren zeugt der Chorbogen von den verschiedenen Bauepochen. Findest du die Bauinschriften von 1497, 1736, 1878, 1922, 1992 und 1619? 

Auch die beiden Weltkriege beeinflussten die Ausstattung: Wie so viele andere Kirchen, musste auch Pietling im Weltkrieg seine Glocken und Orgelpfeifen als Metallspende für Kriegszwecke abliefern. Die Glocken lagen Monate lang am Bahnhof in Götzing herum. Nach Aufzeichnungen aus dem Pfarrarchiv sei dies aber nicht besonders schade gewesen, denn die Glocken hätten ohnehin nicht zusammengestimmt und daher auch kein besonders schönes Geläut abgegeben. Da die Kirche St. Koloman von der Ablieferung befreit war, lieh sich Pietling kurzerhand eine Glocke. Allerdings war diese so klein, dass sie der Mesner selbst auf seinen Schultern in den Turm trug. 1921 wurde beim Wirt einstimmig beschlossen: Es müssen neue Glocken her. Da diese jedoch wiederum für den Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden mussten, wurden 1950 noch einmal neue Glocken angeschafft, die bis heute im Dreiklang klingen.

Neben der Geschichte prägten auch das religiöse Leben und die sich wandelnden Äußerungen der Volksfrömmigkeit die Ausstattung der Kirche. Schadhaftes und nicht mehr mit den religiösen oder stilistischen Vorstellungen der Bevölkerung Vereinbares wurde beseitigt, Neues kam immer wieder hinzu. Die im Laufe der Jahre vollzogenen Renovierungen, sowie der Umfang dieser, hingen dabei stets von der finanziellen Situation der Bevölkerung ab. 

Keinem Wandel unterlag jedoch der starke Gemeinschaftssinn der Pietlinger. Zu allen Zeiten setzten sie sich für ihre Kirche ein und legten sogar selbst bei den Restaurierungen oft Hand an. Besonders zur Weihnachtszeit, wenn die Gemeinde zusammen den großen barocken Krippenberg mit seiner Vielfalt an Figuren, Szenerien und Details gestaltet, ist dieses Engagement erfahrbar.